Einige Radsportler haben eine regelrechte Aversion gegen E-Bikes entwickelt. Der Radsport allgemein – insbesondere die Hersteller von Sporträdern – ist dem Trend mit etwas Verspätung gefolgt und bietet inzwischen leichte Sportmodelle mit elektrischer Unterstützung an. Das Tour-Magazin, eine der führenden Radsportzeitschriften im deutschsprachigen Raum, hat in seiner Oktober-Ausgabe 2025 einen ausführlichen Bericht über E-Sporträder (MTB, Rennrad, Gravel Bike) veröffentlicht, der einen guten Überblick über das aktuelle Angebot bietet. Dies wurde von einigen Lesern erwartungsgemäß scharf kritisiert. Zu diesem Anlass habe ich folgenden Leserbrief an die Redaktion geschickt. Der Brief wurde in der November-Ausgabe in voller Länge veröffentlicht.
Liebe Redaktion,
vielen Dank für den sehr guten, ausführlichen Bericht über E-Rennräder. Vielen Dank auch dafür, dass Sie den Tabubruch gewagt haben.
Den hartnäckigen (vermutlich jungen, gesunden) Kritikern möchte ich etwas mit auf den Weg geben: Ich wohne auf dem Land, bin viel mit dem Rad unterwegs und sehe immer mehr Jugendliche, die mit dem E-Bike fahren. Das gefällt mir nicht – ich frage mich schon, wann sie sich körperlich anstrengen wollen, wenn es mit 14 Jahren schon nicht mehr geht. Das ist bedauerlich und in vielerlei Hinsicht (Gesundheit, Umwelt, Ressourcen) schlecht für die Gesellschaft.
Andererseits: Ich habe an meinem 72. Geburtstag mit ein paar Freunden den Anstieg zum Mont Ventoux auf meinem Gravelbike gewagt. Ich bin sehr glücklich – und auch ein bisschen stolz –, es geschafft zu haben. Vor allem aber bin ich dankbar, dass es mir ohne Hilfsmittel gelungen ist.
Natürlich stelle ich mir die Frage: Wie lange noch? Irgendwann werde ich auf E-Unterstützung umstellen. Warum sollte ich auf sportliche Fahrten verzichten, nur weil ich mir solche Anstiege nicht mehr zutraue, obwohl ich ansonsten Spaß am Rennradfahren habe? Ein völlig kurzsichtiger, absurder Gedanke!