Antwort auf „Klimaschutz im Alltag“, Jonas Mayer, 12.05.22.

Kommentar zu folgendem Artikel, in Zeitonline erschien:

https://www.zeit.de/green/2022-05/klimaschutz-alltag-gewohnheiten-verzicht

Ich bin 69. Ich habe vor 25 Jahren ein Haus mit Niedrig-Energie- Status, ökologisch verträglich, gebaut. Ich ernähre mich seit über zwanzig Jahren überwiegend biologisch und regional (bei Kakao und Kaffe natürlich nicht), weil ich es mir leisten kann. Ich bin gut zwei Drittel meines Berufslebens mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Ich bin in meinem Leben ein Duzend Mal geflogen, die Hälfte davon interkontinental. Ich streame nicht, Netflix habe ich noch nie geguckt. Ich erledige meine Alltagsfahrten möglichst mit dem Fahrrad, ich wohne auf dem Land, also nehme ich längere Zeiten für die Fahrten in Kauf. Ich konsumiere in allen Bereichen sehr verhalten, achte auf Nachhaltigkeit, besonders bei Kleidung kommen nur biologische oder recycelte Fasern in den Schrank. Einige Bekannte von mir essen 300g Fleisch am Tag, für eine solche Menge brauche ich eher zwei Wochen.

  • Warum muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich diesen Artikel lese?
  • Weil er zu diesem Zweck geschrieben wurde, auch wenn es vielleicht nicht die Absicht (des Autors ) war.
  • Weil er keinen angemessenen Ansatz liefert, wenn man es mit der Schonung der Erde und des Klimas wirklich ernst meint.
  • Weil er ein trügerisches Zahlenspiel mit rührenden Beispielen entwickelt, die Schüler begeistern würde. In der Statistik sind Durchschnittswerte oft sehr hilfreich, wenn man z. B. wissen will, wieviel Weizen Kenia braucht, um die Lieferungen aus der Ukraine und Russland zu kompensieren. Wenn es (aber) darum geht, das Verhalten der Menschen zu ändern, taugen sie überhaupt nichts.
  • Wir haben am Beispiel des Fleischkonsums gesehen, wie groß die Unterschiede im individuellen Verhalten sind. Ein Durchschnittswert sagt oft herzlich wenig aus, die Problematik ist bei den Einkommen z. B. gut bekannt. Wenn das Durchschnittseinkommen einer Bevölkerung bei 2.500 $ liegt, macht es einen erheblichen Unterschied, ob die oberen 5 % ein Drittel, oder sogar die Hälfte des Einkommens für sich verbuchen.

Auch in den westlichen reichen Gesellschaften ist der Verbrauch der Individuen ungleich verteilt. Wer Ihre Publikationen aufmerksam verfolgt, kann sich jeden Tag davon überzeugen.

Hinzu kommt eine simple Antwort auf diverse Fragen.

  • Warum kaufen die Deutschen immer mehr SUVs?
  • Warum essen die Deutschen so viel Billigfleisch?
  • Warum essen die Menschen immer mehr Zucker?
  • Warum sind Kurzurlaube mit dem Flieger so beliebt?
  • Warum werden im Westen Textilwaren unfassbar billig angeboten?

…

Weil es verdammt einfach ist!

Weil es den Anbietern jeweils extrem leicht gemacht wird, sie teilweise sogar Subventionen (Sprit für Flugzeuge, Landwirtschaft, Automobilindustrie, etc.) dafür bekommen, und unsere Wirtschaft nach dem Prinzip der Profitmaximierung aufgebaut ist. Würde man den Anbietern die Kosten der von ihnen verursachten Naturzerstörung und der Gesundheitsschäden realistisch in Rechnung stellen, würde es nicht gehen.

So einfach ist es.

Wir sind hier nicht in der Schule, Zeit-LeserInnen wissen längst um die Problematik, Ihre Kaffee-Kakao-Keule wird überhaupt nichts daran ändern.

Genauso wenig wie mein bescheidener Beitrag durch Individualverhalten.

Echte Veränderungen, die die Erde retten würden, setzen einen eisernen politischen Willen zu unpopulären Entscheidungen voraus.

Ein solcher Wille ist nirgendwo auf der Welt in Sicht. Leider.