FACHKRÄFTE FÜR DAS KRIEGSHANDWERK GESUCHT

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In der Süddeutschen Zeitung vom 6/7 Mai setzt sich Kurt Kister mit der neuen Rekrutierungskampagne der Bundeswehr kritisch auseinander. Die Bundeswehr leidet, so der Autor, wie die Zivilwirtschaft, unter Personal- und Fachkräftemangel. Nun ist die Armee ein sehr besonderer Wirtschaftszweig und der Beruf des Soldaten kein Beruf wie jeder andere. Außerdem ist das Verhältnis der Deutschen zur Bundeswehr, demokratische Nachfolgerin der Wehrmacht, schon seit ihrer Gründung schwierig. Und dies erst recht in der Folge vom russischen Überfall auf die Ukraine. In meiner einstigen Heimat Frankreich verhält es sich diesbezüglich anders. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Armee in keiner Weise hinterfragt. Trotz der vernichtenden Niederlage 1940 war sie weiterhin aktiv, es ging nach Kriegsende mehr oder minder nahtlos weiter mit den militärischen Auseinandersetzungen, in Indochina gegen Vietnam und schließlich in Algerien bis 1962. Das Militär wurde von der Öffentlichkeit, außer in den üblichen traditionell sympathisierenden Kreisen, nicht hoch geschätzt. Besonders das Vorgehen einiger Fallschirmjäger-Einheiten in Algerien löste bei vielen Empörung bis Entsetzen aus. Andererseits wurden die ehemaligen Kolonialgebiete mehrheitlich quasi selbstverständlich als französische Territorien betrachtet. De Gaulle kam an die Macht mit dem Versprechen, u. A. das „französische“ Algerien zu retten. Wenn die Bevölkerung rebelliert, muss halt jemand „für Ordnung sorgen“ und die „Dreckarbeit“ erledigen. Nach der Niederlage in Algerien wurden zahlreiche grausame Taten der Armee bekannt, es wurde still um die Soldaten. Man vertraute schließlich auf die nukleare Force de Frappe, die für das Gleichgewicht der Abschreckung sorgen sollte. Die konventionelle militärische Ausstattung wurde wie in vielen anderen Ländern bewusst vernachlässigt. Als ich 1974 den Service National absolvierte, haben wir uns über den veralteten Kram mokiert. Alles war alt: die Funkgeräte, die Waffen, die Autos, die Panzer, de Last- und die Transportfahrzeuge. Wir haben darüber gelacht, auch weil wir keine sowjetische Bedrohung gespürt haben, Krieg für das Vaterland war in der Tat die Angelegenheit unserer Väter gewesen, damit war es vorbei. Auch die französische Armee hatte damals ein Imageproblem.

Eroberungen fanden nun mit anderen, friedlicheren Mitteln statt

Während meines Studiums zum Betriebswirt in SupdeCo musste ich im Fach Marketing einen Fragebogen entwerfen, der Gründe für das Unwohlsein gegenüber der Armée ans Licht bringen sollte. Mein Freund und ich hatten die Aufgabe bekommen und amüsierten uns über die extrem technische, kommerzielle Herangehensweise des jungen Dozenten, der gerade in den USA eine Qualifikation in der noch neuen Disziplin Marketing erworben hatte. Nun ging es aber nicht darum, Nudeln oder Schuhe zu verkaufen. Es ging um die eigene Existenz, und für die Marke „Patrie“ (Vaterland) wären die wenigsten bereit gewesen, ihr leben zu opfern. Warum denn auch. Die barbarischen Sitten gehörten – zumindest in Europa – der Vergangenheit an. Eroberungen fanden nun mit anderen, friedlicheren Mitteln statt. Jetzt waren die Ökonomie und der Handel an der Reihe. Die Wirtschaftsmacht sollte die Verhältnisse bestimmen. Die USA haben durch den zweiten Weltkrieg eine ungeheuerliche wirtschaftliche Überlegenheit errungen.

Friedlich war diese Entwicklung entgegen der in Europa weit verbreiteten Meinung nicht

Die Bundesrepublik und später Deutschland folgten schnell dem amerikanischen Beispiel in die wirtschaftliche Prosperität. Friedlich war diese Entwicklung entgegen der in Europa weit verbreiteten Meinung nicht. Sie hat in weiten Teilen der Weltbevölkerung viele Leben gekostet. Nicht nur durch die verursachte Vernichtung der Natur und der Lebensgrundlage als Folge des Klimawandels. Die hemmungslose Ausbeutung aller natürlichen Ressourcen und die systematische Verdrängung der traditionellen Lebensmittelproduktion für Menschen zugunsten der Tiere des reichen „Westens“, die oft als „Modernisierung“ verstanden wurden, waren aus meiner Sicht überhaupt nicht friedlich. Wenn sie nicht unmittelbar Menschenleben ausgelöscht haben, wurden Perspektiven und eine Lebensweise vernichtet. Das passiert auch heute jeden Tag sanft und leise, ohne Raketenabschuss, Kanonendonner oder Granatwerfer. Ein Beispiel aus der jungen Vergangenheit: Entgegen der breit und laut verkündeten Versprechungen der reichen Länder wurden die inzwischen reichlich vorhandenen Impfstoffe gegen Corona nicht weltweit gerecht verteilt, sie blieben in der heißen Phase schön hier, bei den Reichen. Wie wir alle wissen, endete die Krankheit für nicht geimpfte Personen nicht selten tödlich. Unter Viktoria starben arme Männer im Krieg der reichen Männer. Heute sterben jeden Tag arme Kinder, Männer und Frauen, irgendwo auf der Welt, ganz ohne Krieg.