NICHTS AUßER AUTOS

Kaum droht die Autoindustrie keine Rekordgewinne mehr zu vermelden, wird die deutsche Öffentlichkeit in Aufruhr versetzt, weil die deutsche Wirtschaft zu taumeln droht. Da muss der Staat ran, meint Max Hägler. Es geht schließlich um unser aller Wohlstand, um die deutsche Wirtschaft, um 800.000 meist gut bezahlte, gewerkschaftlich organisierte Arbeitsplätze. Puh, da ist die Solidargemeinschaft gefragt, das ist verständlich. 

„ Bedrohung“ sieht meines Erachtens allerdings anders aus: Die letzten Jahre, als Corona ein Großteil des Wirtschaftslebens lahm legte, hat die Automobilindustrie Rekordgewinne kassiert. Der Kauf von Elektroautos, egal wie groß, inklusive der unsäglichen Hybridfahrzeuge wird großzügig gefördert. Die Firmenwagen-Regelung subventioniert nach wie vor generös die Nutzung von PKWs Jahrzehntelang haben uns die Firmenbosse der Autokonzerne erzählt, dass sie die Extragewinne aus dem Verkauf der verpönten SUVs  dafür nutzen würden, Forschung und Innovationen zu finanzieren. 

Ich würde sagen, die Taschen der Aktionäre und der Spitzenmanager wurden gut gefüllt, aber bahnbrechende Innovationen blieben aus. Die Industrie hat es nicht mal geschafft vernünftige Elektroautos zu bauen, die man kaufen kann. Ein Flopp sind auch  immer wieder  die gern genannten Arbeitsplätze. Nicht einmal die Hälfte dieser Arbeitsplätze ist gut bezahlt und gewerkschaftlich organisiert – man denke nur an die zahlreichen Zulieferer, die oft nur einen einzigen Kunden haben ( z.B. VW)  und entsprechend ausgepresst werden. Über das Personal der Tankstellen, der Waschanlagen und der kleinen Werkstätten brauchen wir gar nicht erst zu reden. Von den wirtschaftlichen Erfolgen der deutschen Autoindustrie profitieren in erster Linie einige wenige, die seit Jahrzehnten Dividenden kassieren, nicht zu vergessen das Land Niedersachsen, das auch bedient wird, aber nicht die 800.000 Personen, deren Arbeitsplatz irgendwie mit dem Auto zusammenhängt. 

Unglaublich, dass derMythos der heilbringenden Autoindustrie noch anhält, obwohl es eigentlich jedem klar ist, dass die Welt bald im Berg der Blechkisten schlicht ersticken wird. In China soll es in gewissen Kreisen zum guten Ton gehören, am Samstag Abend mit dem Auto in die Stadt zu fahren. Mit dem Auto kommen sie erwartungsgemäß nicht weit —  alle Straßen sind verstopft,–, aber die Menschen können das neu angeschaffte Gefährt zeigen, Musik hören, vielleicht mal einen Drink zu sich nehmen. Bald werden sie elektrisch fahren und keinen Fahrer mehr benötigen. Ist es die Zukunft, die uns eine blühende Autoindustrie verspricht: Mit Edelkarre vom Autopilot in den Stau gesteuert und dort Sekt trinken und Musik hören?