
Kaum wackelt eine Bank im fernen Osten der USA, und schon fällt eine Bank in der nachbarschaftlichen Heimat der Großbanken, den malerischen Schweizer Bergen. Das Lamentieren ist groß, die Medien berichten empört und ein wenig hilflos – obwohl es einige besser wissen müssten –: Wie konnte das nun schon wieder passieren?
Die Banken genießen das einzigartige Privileg, Geld schöpfen zu dürfen. Würden wir den Eigenheimbesitzern verraten, woher das Geld kam, mit dem sie ihr Haus finanziert haben, würden die meisten über die korrekte Antwort nicht schlecht staunen: Aus dem… Nichts!
Die Erlaubnis, eine quasi magische Tätigkeit auszuüben, nämlich Geld schöpfen zu dürfen, verleiht den Banken eine wahrhaftig unheimliche Macht. Diese Macht wird sich keine Geschäftsbank freiwillig entziehen lassen, davon bin ich überzeugt. Genau da liegt aber die Ursache vieler finanziellen „Krisen“. Das Wort „Krise“ verwende ich äußerst ungern, weil es sich um ein Problem handelt, das in Wahrheit hausgemacht ist.
Das Recht zur Geldschöpfung ist ein bestimmender Faktor für das Gleichgewicht des weltweiten Finanzsystems. Diese verantwortungsvolle Tätigkeit setzt ein fast unbegrenztes Maß an Vertrauen seitens des Staates und ihrer Bürger voraus. Wie wir leider, besonders in den letzten Jahren, immer wieder feststellen mussten, waren viele Banken, darunter renommierte Institute, wie kürzlich in den USA und der Schweiz, unseres Vertrauens keineswegs würdig.
Schaut man sich die Funktionsweise der „Überwachungsmodalitäten“ der Finanztätigkeiten genauer an, wundert man sich, dass nicht sogar häufiger „Unfälle“ passieren. Sie sind nämlich schon in der Funktionsweise programmiert. Die vorgeschriebene Höhe der Eigenreserven ist, auch nach der Finanzkrise von 2008, in der Tat mit 5% lächerlich niedrig. Nur: Was würde ihre Anhebung auf beispielsweise 20% oder gar 30% an der prekären Situation ändern?
Gerade die Buchhaltungskünstler der Banken wissen nur zu gut, wie man Zahlen sagen lassen kann, was sie aussagen sollen. Jene Aussagen müssen nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen. Wer ist denn noch so naiv, Finanzinstituten unbegrenztes Vertrauen zu schenken? Die Versuchung ist für sie einfach zu groß, abenteuerliche Transaktionen zu wagen, wenn die Konsequenzen eines Scheiterns so harmlos sind. Wenn es daneben geht, zahlt sowieso der Steuerzahler. Soweit die aktuelle Lage.
In Wahrheit traut sich schlicht niemand, schon gar kein Politiker, den unbegrenzten Freiheiten der Finanzwelt ein Ende zu setzen. Denken wir nur daran, dass börsennotierte Unternehmen ihre Prüfer selbst bestimmen dürfen. Selbstverständlich ist die aktuelle Praxis legitim, dass sie für die Prüfungskosten selbst aufkommen müssen. Aber dass sie eigenständig die Prüfungsgesellschaft wählen und ihren Auftrag verhandeln dürfen, ist ein Skandal. Die für die Aufsichtsbehörde peinlichen Erfahrungen der jüngsten deutschen Vergangenheit mit Olaf Scholz und der aus seiner Sicht über jeden Zweifel erhabenen BaFin in der Wirecard-Affäre stimmt mich nicht gerade optimistisch, was die Zukunft anbetrifft.
Die missliche Lage wird leider unverändert bleiben. Ironischerweise hat es ausgerechnet die Schweiz gewagt, das Volk per Entscheid darüber bestimmen zu lassen, ob das Finanzsystem auf das Prinzip „Vollgeld“ umgestellt werden soll. In dem Fall würde allein die Zentralbank über das Recht zur Geldschöpfung verfügen. Das bedeutet, dass die Zentralbank zwar alle Nationalbanken mit geschöpftem Geld versorgen muss, aber die gesamte zirkulierende Geldmenge regulieren und kontrollieren kann. Unsere Nachbarn haben sich mit großer Mehrheit (75 %) gegen die Vernunft, für die unbegrenzte Freiheit – der Banken – entschieden.
Schade!“