Zeit Nr. 8, Streit Thea Dorn „Im Wahn der Beherrschbarkeit“

Thea Dorn enthüllt ihre Aversion zu den Null-Covid-Bestrebungen, dabei entpuppt sie sich als radikale Verfechterin des Anti-Radikalismus. Offenbar wurde sie vom Streitressort der „Zeit“ eingeladen, ihre Meinung zum Thema Covid-Bekämpfung zu äußern. Warum und aufgrund welcher Kompetenzen diese Einladung an die bekannte Schriftstellerin erfolgt ist, bleibt dem Leser verborgen…

Angriff auf die freiheitliche Demokratie

Die Autorin fackelt jedenfalls nicht lange und warnt uns gleich im ersten Satz vor einem aktuell gefährlichen Angriff auf die freiheitliche Demokratie. Radikale Positionen und Lösungsvorschläge aus der linken Ecke (so TD) werden gerade immer wohlwollender in Betracht gezogen und diskutiert, beispielsweise im Zusammenhang mit Migration, Klimawandel, Corona-Pandemie. Was diese Positionen und deren Radikalität beinhalten, wird uns nicht verraten. Aber darum geht es auch gar nicht. Es geht um die Radikalität an sich und wo sie politisch beheimatet ist/wird.

Der aktuelle gesellschaftliche Diskurs duldet keine Radikalität von rechts, schreibt TD. Radikale Positionen aus der rechten Ecke werden sofort als reaktionär und verblendet verurteilt. 

Radikale Gedanken, die aus dem linken oder gar linksradikalen Lager kommen dagegen, werden gern aufgenommen und ernsthaft diskutiert, stellt TD fest.

Außerdem sind die Grünen aus der ökologischen Bewegung überhaupt entstanden

Also, dass die Linke bezüglich freizügiger Migration und Bekämpfung des Klimawandels schärfere Maßnahmen als die konservativen Parteien formuliert, ist nicht wirklich verwunderlich und irgendwie beruhigend. Außerdem sind die Grünen, eine der wichtigsten Parteien der deutschen Linken, aus der ökologischen Bewegung überhaupt entstanden. Es ist sogar erfreulich, dass trotz Koalitions-Kompromissen und der Erosion durch die praktizierte Realpolitik eine klare Gewichtung erkennbar bleibt.

Lisa Neubauer wird ebenfalls in der linksradikalen Ecke angesiedelt

Was nun die Radikalität der Positionen zu den Themen Migration und Klimawandel ausmacht, und in wie fern sie linksradikal sind:  überzogen (?) illusorisch (?) naiv (?), unbezahlbar (?), nicht durchsetzbar (?), verrät uns TD nicht. Sie erwähnt nur nebenbei, dass sie Lisa Neubauer ebenfalls in der linksradikalen Ecke ansiedelt. Ein starkes Stück, wenn man das Selbstverständnis der Bewegung Friday for future ernst nimmt.

Bei der Pandemie-Bekämpfung dagegen wird die Gefahr genau ausgemacht. Unsere freiheitliche Ordnung ist akut gefährdet, und zwar durch eine linksradikale Ansammlung von Virologen und Wissenschaftlern, die bei der Regierung immer mehr Gehör findet. Die Gefahr einer praktizierten No Covid-Strategie rückt immer näher, damit sind Freiheit und Demokratie einfach futsch! TD weiß für Spannung zu sorgen, sie schreibt auch gelegentlich Krimis… 

Aber zurück zur Faktenlage:

– die Regierung hat (leider!) nicht vor, diese intelligente Methode der Virus-Bekämpfung zu übernehmen, nach der letzten Konferenz wurde schon entschieden, dass bereits bei einer Inzidenz < 35 die ersten Lockerungen erfolgen werden. No Covid verlangt, der Name sagt es, Inzidenz = 0. 

– Wissenschaftler wie Christian Drosten, Melanie Brinkmann,… als linksradikal zu beschimpfen (genauso ist es gemeint, aus ihrem Mund ist es gewiss kein Kompliment), weil sie aufgrund ihrer Erfahrung und Forschung die aus ihrer Sicht besten Ansätze zur Bekämpfung der Pandemie vorstellen, ist eine Unverschämtheit. 

Alle wollen das Leben davor zurück

Besonders peinlich und zugleich perfide ist eigentlich, dass dieser doch etwas überraschende Angriff aus einer totalen Hilflosigkeit herrührt, gekoppelt mit einer für eine doch sehr gebildete Schriftstellerin beachtlichen Ignoranz (oder einfach Unwissenheit ?). Wie nahezu alle Menschen in Deutschland und in Europa empfindet TD die Einschränkungen des immer wieder verkündeten Lockdowns als unerträglichen Eingriff in unser aller Leben. Die Kinder wollen in die Schule zurück, die Verkäufer wollen in die Läden zurück, die Angestellten in die Büros, die Sportler in die Hallen … Alle wollen das Leben davor zurück: Restaurant, Theater, Konzertsaal, Fitness-Center, Kneipe, Fußball-Stadion… Das ist menschlich, wer möchte es nicht? 

Ist das noch nicht genug der Katastrophe?

Wissenschaftlich ist es mittlerweile erwiesen, dass eine kurze, extreme Beschränkung der Kontakte der beste und effektivste Weg ist, um eine schnelle Senkung der Anzahl der Neuinfektionen herbeizuführen. 

Zunächst hatte man (auch die Wissenschaftler, die es einfach noch nicht besser wussten) angenommen, dass eine Unterbrechung beim Anstieg der Welle (sie flach halten) ausreicht, um die Pandemie unter Kontrolle zu bekommen.

Aber es wird nach einem Jahr schon deutlich, dass diese Strategie uns immer tiefer in die dauerhafte Pandemie zwingt: 500.000 Tote, mehr als zwei Weltkriege, hat sie den USA beschert. Ist das noch nicht genug der Katastrophe?

Brett Sutton, auch so ein Linksradikaler!

Nun ist der Corona-Beauftragte der Australischen Regierung, Prof. Brett Sutton, zu Besuch in Deutschland. In Australien wurde die No Covid-Strategie mit Erfolg praktiziert. Brett Sutton meint, in Deutschland könnte sie, mit einigen Anpassungen, ebenfalls angewendet werden. 

Auch so ein Linksradikaler!