Ist Putin verrückt?

Überlegungen zum Geisteszustand mächtiger Männer und anderer Personen

Es ist schon verständlich, dass viele Menschen, normale Weltbürger, Prominente, Fachleute, sich Sorgen über den Geisteszustand mancher Politiker machen. Derjenige von Trump zum Beispiel hat zahlreiche Menschen jeglicher Couleur beschäftigt. Sein Verhalten und seine Äußerungen waren oft schlicht mit der Tragweite und der hohen Verantwortung seines Amtes nicht zu vereinbaren. Kein Zweifel.

Viel schlimmer finde ich, dass seine enge Entourage scheinbar keinerlei Korrektiv und Widerstand gegen seine abenteuerlichen Positionen hervorgebracht hat, und dass er nach vier Jahren katastrophalen Regierens immer noch so viele Anhänger hat, dass er die Wahl beinahe wieder gewonnen hätte.

Aber vielleicht sollten wir uns  lieber Fragen zum Geisteszustand derjenigen stellen, die dieses Verhalten bewundern, billigen, unterstützen, bejubeln. Es ist nichts Neues, dass alte Menschen zu sonderbaren Äußerungen und Verhaltensweisen neigen. Autokraten sind davon ganz besonders betroffen, wenn sie sich auf der Verliererseite wähnen. Menschen über 60 sollten wir in Positionen mit immenser Verantwortung nicht zulassen. Wenn man sich die Regierungschefs der ganzen Welt anschaut, egal ob demokratisch gewählt oder auf andere Weise an die Macht gekommen, sieht man  fast nur Greise! Dies scheint mir extrem fragwürdig – gehören sie nicht einfach in den Ruhestand? Sehe ich etwa den ehemaligen Bundeskanzler Schröder in den Medien, bin ich peinlich berührt! Ob er wirklich gefährlich ist, kann ich nicht beurteilen.

Es wäre ein fataler Fehler zu glauben, dass Putin verrückt geworden ist.

Aber nun zum brandaktuellen Thema: Es wäre ein fataler Fehler zu glauben, dass Putin verrückt geworden ist. Er hat grundsätzlich eine ganz andere Vorstellung von Weltordnung als viele Menschen im Westen. Von Wahlen mit demokratischem, unsicherem Ausgang im Stil der westlichen Demokratien, die womöglich eine Frau, gar einen Schwulen als Sieger hervorbringen, hält er gar nichts, das hat er oft genug signalisiert. Und er ist bereit, eine militärische Auseinandersetzung zu beginnen, um seine Ziele zu erreichen. Die in letzter Zeit eher zögerlichen Reaktionen der USA und der Nato auf seine militärischen Übergriffe, insbesondere in Syrien, haben ihn dazu ermutigt zu glauben, dass er eine weitere Eskalationsstufe riskieren kann. Dass die Ukrainer, Europa, die USA und die Nato-Staaten doch so heftig reagieren würden, war, nach den müden Reaktionen auf die Krim-Annexion (auch wenn es Frau Dr. Gabriele Krone-Schmalz nicht gefällt, war es alles andere als eine friedliche, demokratische Eingliederung), nicht wirklich zu erwarten. Jetzt haben wir einen Krieg, was für eine Katastrophe!

Wer erinnert sich noch an die „Operation Iraqi Freedom“?

Viele Fachleute und solche, die sich dafür halten, haben das dringende Bedürfnis nach einer aus ihrer Sicht plausiblen Erklärung für diese schreckliche, unmenschliche Handlung. Irgendeine psychische Störung muss dafür herhalten – es ist in einem solchen Fall ganz praktisch, wenn man einen Verrückten, einen Dämonen präsentieren kann.

Ich wundere mich darüber, wie kurz das öffentliche Gedächtnis währt. Hier eine kleine Auffrischung: Wer erinnert sich noch an die „Operation Iraqi Freedom“? Eine wohlklingende Formel, die positive Assoziationen weckt. Sie hört sich positiv, menschlich, nach Befreiung an. Damit ist der Einmarsch von 300.000 Soldaten der „Koalition der Willigen“ gemeint. Davon abgesehen, dass die Intervention im Irak – unter Führung der USA und Großbritannien – nach der UN-Charta als völkerwidrig bewertet wird, glaube ich kaum, dass die Bevölkerung des Iraks Sehnsucht nach einer Befreiung durch die US Army verspürt hat. Die Operation hat zudem Tausende von Todesopfern unter den Zivilisten verursacht. Die Absicht (oder doch eher der Vorwand) der USA und Großbritanniens war, das irakische Volk vom Diktator Saddam Hussein zu befreien, der außerdem hochgefährliche, giftige biologische Waffen versteckt hielt, mit denen die USA angegriffen werden sollten. Zeigen nicht die Vorgehensweise und die Begründung des Angriffs verblüffende Ähnlichkeiten mit dem jetzigen Angriff? Ich kann mich nicht daran erinnern, dass damals irgendwelche Stimmen die Herren Präsidenten George W Busch und Ministerpräsident Tony Blair für psychisch krank erklärt hätten.

Sie wollten schlicht Saddam Hussein von der politischen Bühne entfernen – dafür waren sie bereit, unzählige Menschenleben zu opfern und unendliches Leid zu verursachen. Natürlich ist so etwas Irrsinn! . (Der „Versprecher“ von Biden kürzlich in Polen ist in der Hinsicht wirklich symptomatisch.)

Vor diesem Hintergrund ist es ziemlich einleuchtend, dass Putin ein wenig Angst haben darf, ohne völlig paranoid zu sein, oder?

Fortsetzung folgt.