
Prominente Wissenschaftler, Politiker, Intellektuelle empfehlen, das Thema der Mohammed-Karikaturen in der Schule als „Pflichtfach“ einzuführen. Die LehrerInnen werden begeistert sein, dass sich wieder vernünftige Menschen Gedanken über den Unterrichtsstoff machen. Auslöser für dieses etwas plötzliche Interesse sind die aktuellen Attentate von extremistischen Islamisten in Europa, unter Anderem die grauenvolle Hinrichtung eines Lehrers in Frankreich. Die „zivilisierte“ Welt ist entsetzt und sucht verzweifelt nach Lösungen für einen immer weiter eskalierenden Konflikt. Ich denke aber, die Lehrer werden schon wissen, welche Inhalte sie den Schülern vermitteln können, und wie sie das schwere Thema ansprechen bzw. behandeln. Da hilft sicher wenig, eine Pflicht-Stunde wie es Macron getan hat, aufzuzwingen.
Die Redaktion von Charlie Hebdo hat alle Prozesse gewonnen
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Es erstaunt mich wirklich, dass so viel Prominenz, großenteils mit islamischem Schwerpunkt/Hintergrund, so gründlich irrt. Die Meinungsfreiheit ist, nicht nur in Frankreich, bereits garantiert. Charlie Hebdo wurde in den letzten Jahrzehnten immer wieder von diversen islamischen Organisationen wegen Blasphemie, Beleidigung etc…vor Gericht zitiert. Die Anklagen wurden übrigens nicht nur durch Karikaturen begründet, es ging auch um Texte.
Die Redaktion hat alle Prozesse gewonnen.
Die Meinungsfreiheit wurde also staatlich vor Gericht garantiert. Die Auseinandersetzung wurde dann mit anderen Mitteln fortgesetzt. Islamische Fanatiker haben erst die Räumlichkeiten der Zeitung zerstört, weitere schließlich die Menschen umgebracht, die ihren Gott beleidigt haben sollen. Charlie Hebdo vertritt – unter Anderem – radikale antiklerikale Positionen, allen Religionen gegenüber, und macht keinen Hehl daraus. Es hat immer wieder, selbst innerhalb der Redaktion, heftige Diskussionen darüber gegeben, ob jene Äußerung oder diese Karikatur doch „islamophobe“ ist oder nicht.
Leider wird dieser Gewalt, auch in Europa, von zahlreichen islamischen Organisationen zu viel Verständnis entgegengebracht
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Wenn selbst die Menschen, die mit Satire grundsätzlich überhaupt keine Tabus kennen, sie sogar als bevorzugte Ausdrucksweise benutzen, darüber heftig streiten, was man sagen darf und was nicht, ist eine solche Diskussion in der Schule fehl am Platz. Ich habe Charlie Hebdo vor der Schließung 1982 regelmäßig gelesen, fand aber nicht alle Aussagen, Karikaturen, etc gut. Das ist eben auch eine Frage des (guten) Geschmacks.
In der Schule dagegen sollte man thematisieren, dass unabhängig von religiöser oder sonstiger Überzeugung Gewaltanwendung absolut tabu ist, auch wenn man sich todbeleidigt fühlt. Insbesondere die Gewalt, die einige ergriffen, um ihren Gott zu „rächen“, muss entschieden verurteilt werden.
Leider wird dieser Gewalt, auch in Europa, von zahlreichen islamischen Organisationen zu viel Verständnis, Toleranz, nicht selten durch Schweigen, entgegengebracht. Die Aufrufe des früheren malaysischen Premier zur Gewalt, des türkischen Präsidenten Erdogan zum Warenboykott gegenüber Franzosen/französischen Waren sind völlig unerträglich und tragen gefährlich zur Verschärfung und Verklärung eines Konflikts bei. Das passt jetzt Erdogan gut in den Kram zu behaupten, Europa sei islamfeindlich. Umso wichtiger ist es, dass die islamischen Autoritäten, Organisationen, Gemeinschaften, Persönlichkeiten entschieden und laut diese Gewalt und diese Aufrufe verurteilen. Es sollte nicht darum gehen, ob jene oder solche Äußerung als Beleidigung oder gar Blasphemie gemeint ist. Auch wenn die Karikatur so empfunden wird, sind gewalttägige Racheakte, auch diejenigen, die sich auf eine Religionslehre berufen, von den Gelehrten scharf zu verurteilen. Auch liegt es in deren Verantwortung, den Gläubigen nahezubringen, dass Texte, die 2.000 Jahre und älter sind, an die heutige Zeit angepasst werden müssen. Die Christen haben es auch geschafft, zumindest wird den Dieben schon lange keine Hand mehr abgehackt.