„Wer Frieden will, muss das Geiseldrama beenden und die Hamas besiegen“, meint Evelyn Finger in der ZEIT(7/2025)
Leider hat uns die Autorin nicht verraten, wie sie es anstellen will. Ihr Ziel, die Hamas zu besiegen, ist im Vergleich zum Willen von Präsident Netanyahu, die Hamas zu vernichten, relativ bescheiden. Langjährige Beobachter des Nahost-Konflikts haben allerdings gleich nach dem Massaker der Hamas am 7. Oktober die Öffentlichkeit gewarnt, dass dies nicht gelingen wird. Mehr Waffen? Mehr Technik? Mehr Soldaten? Mittel hat die israelische Regierung genug – schließlich hat sie bereits Gaza verwüstet, Tunnelsysteme inklusive, zumindest größtenteils. Zahlreiche führende Köpfe der Hamas wurden getötet. Dennoch existiert die Hamas weiterhin und steuert Raketen. Vermutlich wird sie noch so lange bestehen, bis die Palästinenser einen Staat gründen können, in dem sie sich sicher fühlen und weder vom Militär noch von Siedlern bedroht werden.
Wie zahlreiche Beobachter prophezeit haben, wird die israelische Armee die Hamas militärisch nicht besiegen können. Vermutlich würde es keiner Armee der Welt gelingen. Je näher das Militär herankommt, desto gefährlicher wird es für die noch lebenden Geiseln. Besiegen wird man die Hamas nur im Frieden. Die Palästinenser müssen eine würdige Alternative zum täglichen Kampf gegen Landraub, Vertreibung, Unterdrückung und Ausbeutung sowie gegen Schikanen aller Art bekommen, damit der Terror aufhört.
Aber wie immer hat sich die israelische Regierung nach der furchtbaren Terrorattacke vom 7. Oktober für einen militärischen, globalen Vergeltungszug entschieden. Ich möchte mir nicht anmaßen, darüber zu urteilen, ob die Entscheidung richtig war. Die Armee hat alle Menschen aus Gaza vertrieben, nahezu alle Gebäude zerstört, sicherlich viele Hamas-Kämpfer getötet, aber noch viel mehr Zivilisten. Die Gelegenheit hat sie genutzt, um die Hisbollah im Libanon erheblich zu schwächen. Die israelische Armee hat inzwischen ihre militärische Präsenz auf den Golanhöhen in Syrien verstärkt und ihre Ansprüche bestätigt.
Die Rachegelüste der israelischen Regierung sind damit, zumindest teilweise, ein wenig gestillt.
Einem Frieden in der Region ist die Welt dadurch nicht spürbar näher gekommen, fürchte ich.