
In Deutschland ist die Autoindustrie heilig. Die deutschen Automarken sind in der ganzen Welt beliebt, oft sehr begehrt. Sie genießen einen hervorragenden Ruf und werden teilweise massenhaft gekauft. Allerdings nur von den Leuten, die sich das leisten können. Das sind erstaunlich viele, wenn man die Preise dieser Kutschen betrachtet. Die Volkswagen-Gruppe zum Beispiel macht den Löwenanteil ihrer Gewinne in China. Da werden erstaunlich hohe Stückzahlen der oberen Mittelklasse abgesetzt. Sobald die Stückzahl der weltweit verkauften Automobile der Marken VW, Daimler, BMW und Co. zu sinken droht, wird Alarm geschlagen: Die Wirtschaft ist bedroht! Die Arbeitsplätze! Unser Wohlstand! Wir leben doch vom Export!
Diverse Diesel-Skandale scheinen nichts Wesentliches an diesem Umstand geändert zu haben. Jahrelang wurden der Staat und die Bürger betrogen, aber wenn es wegen Covid 19 brennt, kommen die Autokonzerne daher und halten die Hand hin. Sie werden hervorragend durch Hildegard Müller vertreten, die ihren Job wirklich gut macht und sehr überzeugend argumentieren kann. Wenn sie ihr Leid klagt, könnte man fast schwach werden und die wahre Lage verkennen.
Tja, und die Autos sollen neuerdings auch noch elektrisch angetrieben werden. Die Regierung hat ziemlich ehrgeizige Zahlen genannt, die in Kürze erreicht werden sollen. Wir sind sehr weit davon entfernt, die gesetzten Ziele aus der Nähe zu erblicken. Das Elektro-Modell schmeckt den deutschen Autoherstellern nun mal gar nicht. Was soll der Scheiß! Wir bauen immer weiter schöne Diesel-SUV, meinetwegen auch Benziner, 250 PS aufwärts, immer mehr Power, immer schneller, gutes Image, sie verkaufen sich gut, besonders im Ausland, damit fahren wir doch satte Profite ein. (Die Autohersteller argumentieren immer damit, dass nur durch den Verkauf dieser Monster die Entwicklung des Elektro-Antriebs finanziert werden kann!) Schließlich wollt ihr doch alle die zig-tausend Arbeitsplätze, die daran hängen, erhalten, oder?
Auch der Verbraucher tut es sich Schwer mit dem Elektro-Antrieb
Ja, mit dem elektrischen Antrieb tun sich die deutschen Hersteller alle sehr schwer. Mit Kleinwagen auch. Sie waren natürlich die letzten Jahrzehnte so verwöhnt, dass sie die Kuschelecke ungern verlassen wollen. Schon gar nicht freiwillig. Die deutsche Autoindustrie hat nämlich nicht allein vom Export gelebt. Sie hat ebenso von den großzügigen Regelungen bei Firmenwagen in Deutschland profitiert. Das Modell des Firmenwagens mit eingeräumter Privatnutzung ist in Deutschland extrem verbreitet, zum enormen Vorteil der Industrie: Die Arbeitnehmer, durch die scheinbar niedrigen Kosten gelockt (in der Regel werden alle Kosten, inklusive der Sprit-Kosten, vom Arbeitgeber übernommen), wählen ein größeres Modell als sie privat kaufen würden, sie fahren tendenziell mehr, übersehen aber oft, dass die Nutzungskosten versteuert werden und vor allem von sozialen Beiträgen ausgenommen sind, was zwar für die Arbeitgeber ein beträchtlicher Vorteil, aber für die Arbeitnehmer schlicht Betrug ist. Spätestens bei der Berechnung der Rente gibt es dann ein böses Erwachen! Zu spät!
Tesla macht es vor: Luxuskarossen mit ultrastarken Maschinen.
Aber zurück zum Elektro-Fahrzeug. Man muss auch sagen, dass der Verbraucher sich auch mit dem Elektroantrieb schwer tut. Irgendwie ist es verständlich: Die Infrastruktur, die eine komfortable Nutzung ermöglichen würde, also wenn beispielsweise an jeder Straßenecke eine Ladesäule stehen würde, die leicht zu bedienen ist, um die bescheidene Reichweite der Fahrzeuge zu kompensieren, ist nur selten vorhanden. Wie schlimm es mit der mangelhaften Reichweite wirklich ist, ist schwer zu sagen. Es gibt einfach zu wenig Erhebungen darüber. Es gibt vor allem ein Missverständnis gründlicher Natur: In der Regel vergleichen Erfahrungsberichte, wie neulich in der „Zeit“ von einem verantwortlichen Redakteur zu lesen, zwei Fahrzeuge ähnlicher Größe – in dem Fall ein „Passat“ – Elektro versus Tesla. Der Mann ist doch mit seinem Elektro-Passat von Hannover nach Hamburg über die Autobahn gedonnert. Leider war die Batterie nur halbvoll und er hatte Schwierigkeiten, sein Ziel zu erreichen. Dem Mann ist, glaube ich, leider nicht zu helfen. Wenn er von Hannover nach Hamburg elektrisch fahren möchte, ist es ganz toll. Das sollte er aber lieber mit einem geeigneten Fahrzeug tun, nämlich mit dem Zug, da kann er sogar nebenbei arbeiten oder Zeitung lesen…
Noch viel besser ist es natürlich, wenn sie in ein Carsharing-Projekt integriert sind
Eine ökologische, sinnvolle Nutzung von Elektrofahrzeugen findet in erster Linie in Städten, großen Ballungszentren statt. Allein die Größe und das Gewicht eines Passat sind für den Elektroantrieb völlig unsinnig. Kleine, leichte Wagen dagegen kann man für Kurzstrecken in städtischen oder ländlichen Gebieten sinnvoll nutzen. Noch viel besser ist es natürlich, wenn sie in ein Carsharing-Projekt integriert sind. Zurzeit wird krampfhaft versucht, die Verbrennungsmotoren durch Elektro-Antriebe zu ersetzen. Ansonsten bleibt alles beim Alten, oder besser in der oberen Mittelklasse: Tesla macht es vor: Luxuskarossen mit ultrastarken Maschinen. Glaubt wirklich jemand, dass wir dadurch den Klimawandel aufhalten werden? Was für einen Blödsinn! Elon Musk aber treibt Tesla noch viel weiter in dieselbe Richtung. Er arbeitet eifrig und scheut dabei wirklich keine Kosten, um den Autopilot seiner Luxuskarren weiter entwickeln zu lassen. Er verspricht „volles Potential für autonomes Fahren“ bis Ende 2020. In dieses Vorhaben wurden bereits irrsinnige Summen investiert. Das Ziel ist nicht, wie der Normalverbraucher denken könnte, den Fahrer zu entlasten. Nein, seine volle Aufmerksamkeit wird verlangt, sie wird sogar durch eine Innenkamera überwacht. Stellt die Kamera eine Unaufmerksamkeit des Fahrers fest, kann der Autopilot eine Übernahme des Fahrers durch Alarm verlangen. Aus versicherungsrechtlichen Gründen soll diese „Sicherheit“ eingerichtet werden. Das soll die Mobilität der Zukunft sein? Verrückt, oder? Aber wie zuverlässig ist nun dieser Autopilot in der Praxis, den Elon Musk zum Ende 2020 verspricht? Die SZ berichtet über einen Test mit einer Fahrzeugattrappe in ihrer Ausgabe 234 vom 10/11 Oktober: Beide Systeme (Assistent von VW und Autopilot von Tesla) erkennen in voller Fahrt ein stehendes Fahrzeug-Dummy nicht und lassen das anvertraute Auto auf das Dummy mit 60 Stundenkilometer auffahren. Das Dummy wird zerfetzt.
So viel zum Thema KI. Aber wir müssen einen weiteren Aspekt berücksichtigen: Die Deutschen lieben die Freiheit. Vor allem auf der Autobahn. Unbegrenzte, freie Fahrt lautet das Motto. In naher Zukunft wird sicherlich keine Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen beschlossen werden.
Wie sieht also die Zukunftsmobilität in Deutschland aus?
Modernste Technik kracht ohne Tempolimit bei 240 Sachen in die vorstehende Freiheit.